Gedanken & Gefühle
"Du Bist nicht Deine Gedanken und Gefühle."
Ein Satz, der aus spirituellen und buddhistischen Kontexten kommt, der zunächst entlastend wirken kann, weil er uns daran erinnert, dass wir mehr sind als das, was gerade in uns auftaucht – und gleichzeitig ein Satz, den man sehr vorsichtig betrachten darf, vielleicht sogar muss, weil
er -aus dem
Kontext gerissen- sehr verwirrend sein kann.
Denn ganz leise kann sich darin auch etwas anderes verstecken: die Idee, dass wir eigentlich anders denken sollten, ruhiger fühlen sollten, weiter sein sollten. Dass das, was gerade in uns ist, nicht richtig ist. Und genau da beginnt die Schwierigkeit.
Gedanken und Gefühle entstehen nicht einfach willkürlich, sie sind Ausdruck unseres Nervensystems, unserer Erfahrungen, unserer Bindungsgeschichte, unserer aktuellen inneren Zustände, und gerade am Anfang sind wir ihnen nicht einfach frei gegenübergestellt, so als könnten wir wählen, was wir jetzt fühlen oder denken. Dieser Gedanke, dass wir das könnten, kann schnell zu Druck führen, weil er etwas suggeriert, was unserem inneren Erleben oft überhaupt nicht entspricht.
Ja, wir sind unseren inneren Reaktionen nicht hilflos ausgeliefert. Und gleichzeitig können wir sie nicht einfach steuern oder abwählen. Was wir lernen können, ist etwas anderes: einen Umgang damit zu finden, der uns mehr Spielraum gibt, mehr Verständnis, mehr Mitgefühl für uns selbst.
Vielleicht geht es also gar nicht darum, sich über Gedanken und Gefühle zu stellen, sondern ihnen zu begegnen, sie ernst zu nehmen und langsam zu entdecken, dass wir in all dem nicht feststecken müssen, sondern uns darin bewegen lernen.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt:
Nicht am Anfang zu glauben, wir müssten schon wählen können,
sondern zu verstehen, dass Entwicklung ein Weg ist.
Buddhistische Psychotherapie – wenn sie wirklich trägt – ist kein Startpunkt, sondern ein Schritt danach.
Ein Schritt, der erst dann stabil wird, wenn wir gelernt haben, uns selbst überhaupt zu halten, zu regulieren und zu verstehen.
Bis dahin – und auch danach – darf alles, was in dir auftaucht, erstmal genau so sein.
Nicht, weil du darin bleiben musst.
Sondern weil genau dort der Anfang liegt.









