Gedanken & Gefühle

Anja Bui • 12. April 2026

"Du Bist nicht Deine Gedanken und Gefühle."

Ein Satz, der aus spirituellen und buddhistischen Kontexten kommt, der zunächst entlastend wirken kann, weil er uns daran erinnert, dass wir mehr sind als das, was gerade in uns auftaucht – und gleichzeitig ein Satz, den man sehr vorsichtig betrachten darf, vielleicht sogar muss, weil

er -aus dem

Kontext gerissen- sehr verwirrend sein kann.

 

Denn ganz leise kann sich darin auch etwas anderes verstecken: die Idee, dass wir eigentlich anders denken sollten, ruhiger fühlen sollten, weiter sein sollten. Dass das, was gerade in uns ist, nicht richtig ist. Und genau da beginnt die Schwierigkeit.

 

Gedanken und Gefühle entstehen nicht einfach willkürlich, sie sind Ausdruck unseres Nervensystems, unserer Erfahrungen, unserer Bindungsgeschichte, unserer aktuellen inneren Zustände, und gerade am Anfang sind wir ihnen nicht einfach frei gegenübergestellt, so als könnten wir wählen, was wir jetzt fühlen oder denken. Dieser Gedanke, dass wir das könnten, kann schnell zu Druck führen, weil er etwas suggeriert, was unserem inneren Erleben oft überhaupt nicht entspricht.

 

Ja, wir sind unseren inneren Reaktionen nicht hilflos ausgeliefert. Und gleichzeitig können wir sie nicht einfach steuern oder abwählen. Was wir lernen können, ist etwas anderes: einen Umgang damit zu finden, der uns mehr Spielraum gibt, mehr Verständnis, mehr Mitgefühl für uns selbst.

 

Vielleicht geht es also gar nicht darum, sich über Gedanken und Gefühle zu stellen, sondern ihnen zu begegnen, sie ernst zu nehmen und langsam zu entdecken, dass wir in all dem nicht feststecken müssen, sondern uns darin bewegen lernen.

 

Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt:

Nicht am Anfang zu glauben, wir müssten schon wählen können,

sondern zu verstehen, dass Entwicklung ein Weg ist.

 

Buddhistische Psychotherapie – wenn sie wirklich trägt – ist kein Startpunkt, sondern ein Schritt danach.

 

Ein Schritt, der erst dann stabil wird, wenn wir gelernt haben, uns selbst überhaupt zu halten, zu regulieren und zu verstehen.

 

Bis dahin – und auch danach – darf alles, was in dir auftaucht, erstmal genau so sein.

 

Nicht, weil du darin bleiben musst.

Sondern weil genau dort der Anfang liegt.

von Hans Karl Stephan Böhme • 18. Oktober 2026
Halt und Orientierung im Alltag
von Anja Bui • 16. Oktober 2026
allein oder mit vielen
von Anja Böhm-Bui • 9. Oktober 2026
Mehr als Grenzen setzen
von Hans Karl Stephan Böhme • 6. Oktober 2026
Begegnungen zwischen Leitplanken
von Anja Bui • 23. September 2026
Wenn Selbstmitleid zum Opfer macht
Freisam-Logo und das Wort „Beziehung“ über Händen, die Puzzleteile auf grauem Hintergrund platzieren
von Hans Karl Stephan Böhme • 25. Mai 2026
ein Blick ins Mitsammensein
Ein weinendes Kind sitzt zusammengerollt in einer dunklen Silhouette, eine Träne rinnt ihm über die Wange.
von Anja Bui • 20. Mai 2026
Verstehen Sie Ihre inneren Anteile für emotionale Heilung. Kontaktieren Sie uns für psychologische Beratung!
Poster mit dem Schriftzug „Kommunikation“, zwei umrissenen Gesichtern und Herzzeichnungen in warmen Beige- und Orangetönen
von Anja Bui • 17. Mai 2026
Lernen Sie, Ihre Bedürfnisse in Beziehungen klar auszudrücken. Lassen Sie sich von freisam unterstützen, um Missverständnisse zu vermeiden.
German quote graphic with chalkboard background: “gelernt ist gelernt” and freisam logo.
von Hans Karl Stephan Böhme • 11. Mai 2026
freisam hilft bei Beziehungsproblemen. Lassen Sie uns gemeinsam Lösungen finden und echte Begegnungen fördern.
Blaue Titelkarte mit „Dia-Logos“ vor verblasstem Manuskripthintergrund und „freisam“ oben links
von Hans Karl Stephan Böhme • 4. Mai 2026
freisam bietet Unterstützung in Beziehungen. Kontaktieren Sie uns für eine Beratung, um Konflikte zu lösen und Vertrauen aufzubauen.